Gemeinsam gegen den Krebs – eine Einführung

Liebe Patienten und Patientinnen,
Liebe Angehörige,
Liebe Freunde,

Nicht noch ein „Krebs“-Blog werden vielleicht manche denken –
nicht noch mehr Betroffenen-Geschichten, noch mehr Tipps und noch mehr Horror-Storys!

Nein, Horror-Storys will Sei (D)ein Freund nicht veröffentlichen. Sei (D) ein Freund will ein Mutmacher-Blog sein. Ein Blog einer (Brustkrebs) Patientin für (Brustkrebs) Patientinnen. Mehr als meine persönliche Geschichte. Hoffentlich im Laufe der nächsten Wochen und Monate voller guter Gedanken, Wünsche, Motivation für andere –  Patientinnen wie Angehörige. Aber hoffentlich liest auch der ein oder andere Behandler diese Seiten, macht sich neu Gedanken, darüber, was diese Krankheit für Frauen wirklich bedeutet. Jenseits aller Studien, die die Onkologen am Liebsten zitieren. Jenseits ihrer Statistiken, ihrer standardisierten (Behandlungs-) Art, jenseits ihres für sie selbstverständlich gewordenen Fachchinesisch, jenseits ihrer einstudierten Floskeln.

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Meine Motivation für diese Seiten, war mein großer Wunsch, diese Krankheit, ihre Begleiterscheinungen, ihre harten Behandlungsmethoden, die wunderbaren komplementären und „weichen“ Behandlungsmöglichkeiten dorthin zu rücken, wo sie hingehören: in die Mitte der Gesellschaft. Bei fast 500 Tausend Neuerkrankungen in Deutschland im Jahr können auch die (noch) „Nicht-Betroffenen“ nicht einfach wegschauen, die Krankheit ignorieren, sich beschämt und hilflos weg ducken.

Sei (D)ein Freund wirbt dafür, Erkrankte nicht sozial auszugrenzen, wie das leider, nach wie vor oft der Fall ist. Wenn sich Freunde und auch Familienangehörige nach der Diagnose plötzlich wochen- und monatelang nicht melden, weil sie nicht wissen, wie mit dem Erkrankten umgehen, verstärkt das nicht nur das Leid des Erkrankten, sondern man nimmt sich auch als Freund, die Chance, die Liebe, die Zuneigung, das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen einem selbst und dem Erkrankten in einer sicher schweren Zeit noch zu intensivieren.

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Sei (D)ein Freund wirbt aber auch bei den Erkrankten dafür, selbst, offen, ehrlich, gern auch offensiv mit der Krankheit umzugehen; auf die Menschen, die einem lieb und teuer sind, zuzugehen, um Ihnen zu sagen: „Hey, mir geht’s zwar jetzt eine ganze Weile nicht so gut, aber ich bin immer noch ich, mit all meinen wunderbaren Charaktereigenschaften, meinen Stärken, meiner Schönheit und meiner Zuneigung zu Dir!“

Als ich die Diagnose „Brustkrebs“ erhielt, waren die Reaktionen sehr unterschiedlich. Es gab Menschen, die auf der Straße in Tränen ausbrachen mit den Worten „Es trifft immer die Falschen!“, um sich nach dem Gefühlsausbruch, nie wieder bei mir zu melden. Es gab Menschen, von denen ich den Eindruck hatte, ich müsse sie trösten, statt umgekehrt.  Es gab Freunde und Bekannte, die haben meine Krankheit schlichtweg ignoriert und mich immer mit einem „Na alles klar bei euch?!“ begrüßt. Es gab Menschen, die haben mir Ihre Unterstützung in allen Lebenslagen zugesichert, gab es aber tatsächlich ein Anliegen, tauchten sie unter. Manche riefen auch einfach nie wieder an.

Aber es gab auch diese vielen wunderbaren Begegnungen!
Ich lernte einst oberflächliche Bekannte so neu und intensiv kennen, dass es jetzt Freunde fürs Leben geworden sind.

Es gibt diese beste Freundinnen, die es an keinem Tag versäumen, mich zu fragen wie es mir geht, und die einfach da sind, wenn ich sie brauche, selbst wenn ich nach Behandlungen erschöpft auf dem Sofa einschlafe und sie den angefangenen Film dann alleine schauen dürfen, während mir nichts anderes übrig bleibt, als mich ins Bett zu legen.

Es gibt die Freundinnen und Freunde, bei denen ich mich einfach getraut habe zu sagen, dass ich mich manchmal ganz schön einsam fühle, und dass ich mich nach ihrer Gesellschaft und schönen Stunden mit ihnen sehne und, die ganz erleichtert sind, dass ich auf sie zugegangen bin, damit wir wieder zusammen, neu an unserer Freundschafts-Brücke bauen können.

Und es gab auch ganz neue, spannende, bereichernde Begegnungen, mit Menschen, die man erst und nur durch diese außergewöhnliche, extreme Lebenslage hat überhaupt kennen lernen dürfen.

Sei (D)ein Freund erzählt natürlich von meinen Erfahrungen als Brustkrebspatientin, es ist natürlich mein ganz persönlicher Blog, mit meinen Erlebnissen, Gedanken, Gefühlen und natürlich meinen „Unbestellten“ Tipps – aber Sei (D)ein Freund wirbt hoffentlich in jeder Zeile vor allem hierfür: Für Mehr Menschlichkeit, Mehr Empathie, Mehr Leichtigkeit, Mehr Liebe, Mehr Zuneigung, Mehr Offenheit bei allen, die mit dieser Krankheit zu tun haben – Betroffene, Angehörige, Freunde, Ärzte, Therapeuten, Krankenschwestern und sonstigen Behandlern.

Sei dein eigener Freund als Patient! Sei achtsam, aufmerksam, sorgsam mit dir selbst und sei ein Freund als Freund, Familienangehöriger und behandelnder Therapeut – nur so haben alle zusammen, auch in dieser extremen Zeit, die Chance mehr Lebensqualität und mehr Lebensfreude zu erfahren.

Viele liebevolle Momente wünscht

Nicoletta Prevete

Ein Kommentar

  1. Becker Mechthild sagt:

    Bravo! Ich freue mich darauf, mehr von dir zu lesen. Kein deprimierendes Endzeit-Klagen sondern eine positiv stimmende, aufmundernde und liebevolle Haltung. Weiter so!
    Mechthild

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