Über Mich

„Komm schon, komm schon lass uns starten bevor das Leben verglüht. Warum weinen oder warten, dass ein Wunder geschieht? Heute Nacht muss alles weg: Tränen, Trauer, Hoffnung, Dreck. Komm schon, komm schon lass uns starten bevor das Leben verglüht!“ Csárdás von Kitty Hoff 

Mein Name ist Nicoletta Prevete. Ich bin 47 Jahre alt und Radio-und Fernsehjournalistin beim SWR. Glücklich geschieden und wieder verheiratet und hab zwei entzückende, mich immer wieder nervende Kinder im süßen Alter von fast 9 und fast 14 (also vor-pubertär und hoch-pubertär). Als ich die Diagnose Brustkrebs bekam, stand ich vor so entscheidenden Fragen: Wie krieg ich weiterhin meinen Full-Time Job und meine beiden entzückenden Kinder unter einen Hut ohne komplett durch zu drehen? Wer überlebt die nächste Fernseh-Abnahme eher – der/die abnehmende Redakteur/Redakteurin oder ich? Schmeiße ich eher meinen zweiten Mann aus dem Haus, weil er nie aber auch nie nach dem duschen die Dusche sauber macht oder die Katze, weil sie immer, aber auch immer, wenn ich morgens den Frühstückstisch gedeckt habe, auf den Tisch springt und den Schinken frisst,  während ich schlaftrunken die Kinder wecke? Wie werde ich den überdimensionierten Familienpool auf meiner Terrasse wieder unauffällig los, damit ich wieder einen überdachten Sitzplatz draußen im Garten habe? Und wie erkläre ich meinem Chef, dass mein Kind in einem Winter zum dritten Mal Scharlach hat und ich noch mal ne Runde später oder gar nicht komme? Also sprich: Ich war mitten im Leben.

Die Diagnose bekam ich dann auch nach einem absolvierten Nachrichtenfrühdienst, also an einem Tag, an dem ich morgens um vier Uhr aufgestanden war, sieben Stunden Nachrichtenschicht geschoben hatte und um 12:00 Uhr mittags an einem Donnerstag nicht mehr wie 46 sondern wie 64 aussah. Wahrscheinlich war es die Mischung aus sehr oft sehr früh aufstehen und dem Schock der Diagnose, dass ich nur sehr sehr sehr langsam an diesem Tag begreifen wollte, dass ich die Freitags- und die Samstags-Frühschicht nun nicht mehr machen musste.

Was folgten waren Wochen und Monate voller Ängste, tausender Fragen, ebenso vieler Diskussionen und Tränen, bangem Warten, gefühlten tausend zu treffender Entscheidungen und so manchem körperlichen Schmerz, der auszuhalten war, ob man nun wollte oder nicht.

Ein Körper und eine Seele im ständigen Ausnahmezustand, traktiert durch OPs, heftigen Therapien und so manchem nagenden Zweifel, wie das Ganze wohl ausgehen wird.

Aber – und das war das entscheidende – auch ein Körper und eine Seele, die so eine unbändige Lust am Leben und an den richtigen Fragen und Antworten entwickelten, dass klar war, irgendwann muss aber noch was anderes stattfinden, als Full-Time Patient und Full-Time Mutti-Sein. Wenn sich für mich auch nie die Frage stellte „Zu was ist das ganze hier eigentlich gut?“ so wollte ich aber dringend, dass diese Geschichte für irgendetwas gut ist und gut wird.

Und so entschied ich mich zu tun, was ich sowieso von Berufswegen immer getan habe: Zu schreiben. Zu Kommunizieren. Zu Recherchieren. Und Menschen und Themen zu einander zu bringen.

Raus gekommen ist etwas ganz wunderbares – aus einem sehr persönlichen Blog wird jetzt eine tolle Aktion, ein Super-Projekt, in dem hoffentlich ganz bald, ganz viele Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben wie ich, zu Wort kommen.

Ihr wunderbares Gesicht ins schönste, stärkste Licht gerückt wird.

Und ein Thema in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt wird, das rein statistisch sowieso längst in den Mittelpunkt der Gesellschaft angelangt ist. Schließlich erkranken jährlich in der Bundesrepublik 74 Tausend Frauen neu an Brustkrebs.

In einer Fotoausstellung, einem Begleitkatalog, einem Blog wie in einer noch am entstehenden Website werden wir diesen Kämpfer-Frauen Respekt zollen, weil wir dem Leben Respekt zollen.

„Komm schon, komm schon, lass uns starten, bevor das Leben verglüht!“ 

 

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