Weihnachten 2019

two woman hugging each other

Photo by Daria Shevtsova on Pexels.com

Der Computer streikt seit Monaten, so auch heute, ich seit Wochen besonders heftig und eigentlich seit Jahren in allen Variationen – also mein Köper streikt.

Während der Computer eher ideenlos streikt und immer langsamer auf meine vergeblichen Versuche reagiert, ihn zum Arbeiten zu bewegen, ist mein Körper extrem erfinderisch im Streiken. So beim Schreiben könnte ich fast ein bisschen Bewunderung für so viel Ideenreichtum aufbringen, wenn nicht gerade ich unter diesem Ideenreichtum leiden müsste. 

Seit Jahrzehnten nehme ich im Leben am Liebsten die linke Spur, dabei kann ich auf der Autobahn Drängler nicht leiden und schimpfe ausführlich über ihre Rücksichtslosigkeit. Interessanterweise habe ich schon seit Jahrzehnten gar nichts gegen die Rücksichtslosigkeit mir selbst gegenüber. 

Ich bleibe konstant links, ob gescheiterte Ehe, Krebs oder Rheuma, nichts scheint mich tatsächlich so richtig auszubremsen. Wenn, ja wenn da nicht dieser ideenreiche Körper wäre, der mir vor einem halben Jahr sogar einen Hinkefuß beschert hat. So halte ich inne an diesem Heiligabend 2019, bremse vorsichtig ab und fahre etwas verstohlen, damit keiner etwas merkt, auf die rechte Spur. 

Ups… ist ja übersichtlich hier. 

Rechts fahren heißt um 11 Uhr morgens auf der Coach mit meinem Sohn eine Folge Grüffelo gucken. (Morgens die Kiste angemacht, gibts ja gar nicht!); den Fertig geschnippelten Salat gekauft fürs Abendessen und an allen anderen Festtagen ins Restaurant gehen. Und: weggeguckt, wenn die Kids bis zur Bescherung ins Handy starren. Egal, sollen sie heute, der Antreiber, Moralapostel und Redenschwinger (also ich) hat den Pausenknopf gedrückt… 

Dafür versuche ich dankbar auf dieses Jahr zu schauen, das auf den ersten Blick echt viele Anstrengungen, Streitereien und gesundheitliche Schockdiagnosen zu bieten hatte. 

Aber eben nur auf den ersten Blick und  – wenn man links fährt. 

Auf der rechten Spur sieht man ganz anders hin. Da gab es unglaubliche Urlaube zu zweit und mit der ganzen Familie. Kuba, Cornwall und Konstanz gesehen. Alles für sich toll und wunderbar. 

Alte Freundschaften wieder belebt und neue eingegangen, so dass ich mich zum ersten Mal bei einem Glühweintreffen wiederfinde und mit lauter, eben noch fremden Menschen, Weihnachtslieder singe, o.k. ich klinge dank Dauererkältung wie eine verrostete Gießkanne, aber darauf kommt es nicht an. 

Wenn ich von der rechten Spur drauf gucke, bewundere ich mich ein wenig dafür, dass ich mir nach 14 Monaten Zwangspause schwupp di wupp gefühlt 100 neue Arbeitstools angeeignet habe und wirklich wieder in der Redaktion angekommen bin. Dann gräme ich mich nicht über meine vielen Fehltage in 2019, weil ich mehr Arztpraxen von innen gesehen habe, als andere in drei Leben zusammen und das Geschepper des MRT ertrage, wie andere Meeresrauschen. 

Auf der rechten Spur könnte ich versuchen allen kleinen und großen Krisen etwas Gutes abzugewinnen, weil sie mich menschlich wieder ein Stück weiter gebracht und geschult haben. Und ich könnte versuchen, nicht jede Krise zu meiner zu machen, sondern sie schön bei denen zu lassen, die sie a) entweder verursacht haben oder b) gerne bei mir einen Lösungsweg bestellen würden oder a) und b) zusammen bei mir lassen möchten. 

Auf der rechten Spur könnte ich versuchen zu verzeihen, mir und den anderen und während ich da so auf meiner rechten Spur rum zockle, reißt der Himmel auf, der blöde Dauerregen hört auf und die Sonne kommt raus. Na bitte, geht doch. 

Gar nicht so schlecht, hier so auf der rechten Spur. 

Ich schlendere jetzt mal mit meiner verrückten Familie zum Krippenspiel und bleibe ganz gelassen, wenn mein Vater, wie jede Weihnachten beim Spaghetti Vongole kochen, aus meiner Küche ein rotes Desaster macht, alle Familienmitglieder durcheinander reden, so dass man eigentlich keine Ahnung hat, wer da gerade was sagt und Berge von Geschenkpapier aus meiner Weihnachtspuppenstube eine Art Wertstoffhof machen. 

Gelassene Weihnachten euch, bleibt schön rechts, denn wie heißt es so schön: „Manchmal muss man die Perspektive wechseln, damit man den Himmel sieht.“ 

Frohe Weihnachten Euch! 

 

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