Studio „Schnell und Sauber“

Sauber recherchiert – frisch produziert! News aus dem Hauswirtschaftsraum oder

Gewaschen wird später….

Im ersten Lockdown im Frühling habe ich – Gefahr hin oder her – schon nach vier Wochen beschlossen: „Ne, Home Office, das ist nichts für mich!“ Ich rutschte so schnell in die Paraderolle der 60-er Jahre Hausfrau, dass ich direkt nach Ostern freiwillig ins Funkhaus zurück ging. Nun war ich in der komfortablen Lage, dass meine Tagesmutter zum großen Teil das Home Schooling meines 10- jährigen Jungen wieder übernahm und ich konnte wenigstens acht Stunden am Tag, dem nachgehen, wofür ich eigentlich mal ausgebildet wurde. War auch besser so, sonst hätte es daheim noch Tote gegeben….

Doch nun schaut’s anders aus. Meine Immunsuppresiva wurden so hochgesetzt, dass Fach- und Betriebsärzte mich „zwangseingewiesen“ haben, noch bevor Herr Lucha auf diese geniale Idee kam… (Anmerkung: Natürlich bin ich meinem Arbeitgeber unendlich dankbar für die Möglichkeit, in Sicherheit zu hause arbeiten zu können. Dieser Artikel soll nur ironisch beschreiben, was Corona und Home Office mit „Frau“ so alles macht….)

Und nun habe ich also Home Office Woche Nummer eins hinter mir. Immerhin, morgens verschwinden die Kids (noch) Richtung Schule – was mir (normalerweise) einen freien, ungestörten Vormittag garantiert. Wenn alle spätestens um halb acht aus dem Haus sind, bleibt mir noch eine gute Stunde, um den Haushalt zu schmeißen und mich frisch geduscht, gefönt und geschminkt zur ersten Online Konferenz zu begeben. Ging auch mindestens einen Tag lang gut. An Tag zwei klingelte bereits um 7:40 Uhr mein Handy. „Hallo Mama, ich hab nen Platten, in zehn Minuten muss ich zur Deutsch-Klausur da sein, kannst du schnell kommen?“ Ähhhh? Wie war das mit duschen, anziehen und gut aussehen vor der Laptop Kamera. Ach, egal, interessiert am Ende eh keinen. Also rein in die nächstbesten Sportklamotten, schnell das Kind und die Klausur gerettet und bei ausgemachtem Mikrofon, kriegt auch keiner mit, dass ich in letzter Minute einen Sprint in den zweiten Stock zum Laptop gemacht habe…. Hechel, Hechel. War was?

Jetzt aber! Losgelegt, recherchiert, tausend Emails geschrieben, telefoniert und schon mal die erste Nachrichtenminute geschrieben. Jetzt muss das ganze abgenommen und – ja – sauber eingesprochen werden. Nur wo? In normal großen Räumen klingen Tonaufnahmen wie auf dem Klo, es hallt, dass es nicht mehr schön ist. Ich schleiche durch die Wohnung. Und selbst im kleinsten Kinderzimmer wird die Aufnahme nix. Hhhhhhmmmmmm. Der Hauswirtschaftsraum. Klein, kompakt, vollgestellt. Ist n Versuch Wert… Ich spreche in mein Mikro mit Handy und mit zwei Klicks ist das Ganze versendet. „Hallo Liebe Redaktion! Aufnahme da? Ja? Und, wie klingt es ? Ach, super? Ja? Na denn, prima. Na dann mach ich mal weiter….“

Der Rest des Tages verläuft nach einem wieder kehrendem Schema. Immer wenn ich eine Nachrichtenminute oder einen Kollegentalk fertig habe, verziehe ich mich in den Hauswirtschaftsraum. Nicht, um wie sonst, Buntes von Schwarzem zu trennen, sondern um meine Radiobeiträge einzusprechen. Der Rest der Familie hat dann mal kurz Sendepause. Mein Sohn findet das ganze so witzig, dass er immer mit will, um mir das Blatt zu halten. (Vielleicht schaffe ich mir mal nen Notenständer an…). Nach einer Woche im Hauswirtschaftsraum kann ich nur sagen: Läuft! Es hat noch nicht eine Beschwerde seitens der Redaktion bezüglich der Tonqualität gegeben. Meine Tochter hat unseren Hauswirtschaftsraum daher zum Tonstudio „Schnell und Sauber“ umbenannt.

Und für nächste Woche habe ich mir überlegt, könnte ich nach der letzten Tonaufnahme, meinem Sohn das Waschen beibringen. 30 Grad, 40 Grad, 60 Grad, weiß, bunt, schwarz. Schließlich will ich mich nicht einreihen, in die Klagen der Home Office Frauen, die am Ende des Tages darüber verzweifeln, dass sie Kochen, Putzen, Aufräumen und mit den Kids lernen müssen und dabei mit ihrem Lap Top auf der Nase jonglieren. Hier werden die Aufgaben jetzt knallhart verteilt. Und waschen? Waschen ist jetzt nicht mehr meins….

One Reply to “Studio „Schnell und Sauber“”

  1. Katja Nicklaus sagt:

    Bin auch seit Dienstag im Homeoffice – und da ich da Radio höre, um mich nicht ganz so allein zu fühlen, hatte ich das Privileg einen Beitrag aus dem Tonstudio „Schnell und Sauber“ hören zu können – auffallend gute Tonqualität! Vielleicht sollten die Radiosender diesen Weg weiterverfolgen 😉
    Alles Gute – und die Idee mit der Aufgabenverteilung unbedingt weiterverfolgen! Mein Sohn (18) kocht so hervorragend, das dieses Aufgabe zu 80 Prozent in sein Ressort gewandert ist – und er kann sogar die Waschmaschine bedienen (wenn Mutti mal grad nicht verfügbar ist…). Immerhin hängt er jede zweite Maschine auf die Leine.

    Gefällt 1 Person

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