Das Projekt

Das Projekt

Als ich Ende 2017 die Diagnose „Brustkrebs“ bekam, schien meine Welt von einem auf dem anderen Tag still zu stehen. Ich fühlte mich wie ein ICE, der von 200 km/h auf null runtergebremst wurde in zwei Sekunden. Ich stand doch mitten im Leben. War als Journalistin voll berufstätig. Musste mich um meine beiden kleinen Kinder kümmern, die gerade mal sieben und 12 Jahre alt waren. War frisch zum zweiten Mal verheiratet. „Was wenn alles gut geht“ von Laith Al-Deen hatten wir auf meiner zweiten Hochzeit gesungen. Das war gerade mal ein Jahr her. Ich war so überzeugt von meiner zweiten Chance im Leben und überzeugt, dass mir jetzt alles Glück der Welt zustehe. Und jetzt? Krebs?!?

“Krebs – das kriegen andere!”

“Krebs – bedeutet unendliches Leid”

“Krebs – bedeutet Tod”

Das negative Gedankenkarussell kreiste, als ich die Diagnose erhielt,  sofort im Turbotempo los….

STOP – STOP rufe ich heute allen Betroffenen zu, denen es genauso geht.

Vielleicht klingt es verrückt und kaum nachvollziehbar. Aber Krebs – das bedeutet auch eine neue Chance. Eine Chance, neu auf sein Leben zu schauen. Ihm jene liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken, dass es auch ohne schwere Krankheiten verdienen würde. Krebs kann die Chance bergen, den RE-Set Knopf zu drücken, die Chance, dem Leben nochmal eine neue Wendung zu geben. Die Chance, alte Pfade zu verlassen, Neues zu wagen und das Leben mit offenen Armen zu empfangen.

Und es bedeutet mitnichten den sicheren Tod. Rechtzeitig erkannt und leitliniengerecht behandelt, sind die meisten Brustkrebserkrankungen heilbar. Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich, obwohl mehr Frauen an Brustkrebs erkranken. Fünf Jahre nach der Diagnose sind 87 Prozent der Patientinnen noch am Leben. Das ist auch Teil der Wahrheit! Zum Glück! Denn ich gehöre bald zu dieser Statistik. Bald ist es fünf Jahre her, dass ich diese Schockdiagnose bekommen habe.

Daher haben die MacherInnen von SeiDeinFreund nur eines im Sinn: Den betroffenen Frauen Mut zu machen. Ihnen anhand vieler Portraits zu zeigen, wie lebensbejahend, mutig und stolz viele Frauen mit ihrer Erkrankung umgehen. Wir erzählen in wunderschönen Bildern von ihren Stärken, ihren Träumen, ihrem “Ich lass mich nicht klein kriegen!”

Domenica aus Ludwigshafen etwa hat uns von einem Brief erzählt, den sie während ihrer Erkrankung bekommen hatte. Ein Bekannter habe sie in diesem Brief geradezu zum Tode geweiht und ihr schon halb sein Beileid ausgesprochen. “Das hat mich so wütend gemacht. So unendlich ärgerlich. Ich hab so richtig rumgeschrien, als ich den Brief gelesen habe“, erzählt sie. „Da dachte ich mir – so jetzt erst recht! Ich werde leben!“.

Wir MacherInnen sagen den Vorurteilen den Kampf an. Wir machen Schluss mit den Horror Geschichten. Und lassen Frauen zu Wort kommen, die ihre Therapie entweder bereits beendet haben oder noch mittendrin stecken. Wir erzählen Mutmacher Geschichten aber auch von traurigen Erlebnissen. Von Ängsten aber auch von unfreiwillig komischen Momenten. Denn wir wissen ja alle, in jeder Tragödie steckt ja auch viel Komödie. Wir räumen auf mit Vorurteilen, indem wir die erzählen lassen, dies‘ wissen müssen. Betroffene.

SeiDeinFreund und lass dich ein. Vielleicht magst du auch mitmachen. Dich selbst ins schönste (Foto-) Licht rücken und anderen Frauen zeigen, hey, ich war, ich bin krank – aber das ist noch lange kein Grund zu verzweifeln.

Nicoletta und das ganze SeiDeinFreund-Team

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